Ihre Webseite läuft seit Jahren, irgendwie. Im Backend, also dem Bereich, in dem Sie Ihre Inhalte bearbeiten, erscheint ein Hinweis, dass Updates nicht mehr möglich sind, Ihr Hosting-Anbieter schickt Warn-E-Mails, und eigentlich wollten Sie nur schnell die Öffnungszeiten ändern. Spätestens dann stellt sich die Frage: Wie schlimm ist das – und was mache ich jetzt?
In diesem Artikel zeige ich Ihnen, woran Sie ein veraltetes Content-Management-System (CMS) erkennen, welche Folgen es haben kann und welche Möglichkeiten Sie haben. Als Beispiel dient ein Projekt, bei dem genau das passiert ist.
Woran Sie ein veraltetes CMS erkennen
Ein CMS veraltet selten über Nacht. Meist gibt es über Monate oder Jahre Warnzeichen, die man leicht übersieht:
- Es gibt keine Updates mehr. Der Hersteller hat die Version, die Sie nutzen, eingestellt, oder ein Update scheitert, weil der Sprung zu groß geworden ist.
- Die PHP-Version ist am Ende ihrer Lebenszeit. Die meisten CMS laufen mit der Programmiersprache PHP. Jede PHP-Version wird nur einige Jahre mit Sicherheitsupdates versorgt, danach nicht mehr. Welche Versionen aktuell unterstützt werden, sehen Sie auf der offiziellen PHP-Seite. Ein altes CMS läuft oft nur mit einer alten PHP-Version – und hält damit die ganze Webseite auf einem unsicheren Stand fest.
- Plugins und Erweiterungen werden nicht mehr gepflegt. Gerade ein Kontaktformular, eine Galerie oder ein Kalender stammen oft von Dritten. Wenn deren Entwickler:innen aufhören, bleibt die Erweiterung auf dem alten Stand stehen.
- Ihr Hosting-Anbieter warnt Sie. Viele Anbieter stellen alte PHP-Versionen irgendwann ab oder verlangen dafür einen Aufpreis. Große Anbieter wie IONOS oder STRATO buchen für veraltete PHP-Versionen einen kostenpflichtigen „PHP Extended Support“ hinzu, wenn Sie nicht rechtzeitig umstellen. Vorher kündigen sie das per E-Mail an – solche E-Mails sollten Sie nicht ignorieren.
- Die Darstellung bricht. Bilder fehlen, Menüs verrutschen, auf dem Smartphone ist die Seite kaum lesbar, oder es erscheinen kryptische Fehlermeldungen.
- Sie trauen sich nicht mehr, etwas zu ändern. Wenn jede Änderung im Backend ein mulmiges Gefühl auslöst, ist das ebenfalls ein Warnzeichen.
Was im schlimmsten Fall passiert
Ein veraltetes System ist nicht nur ein Schönheitsfehler. Zwei Risiken stehen im Vordergrund.
Sicherheitslücken. Bekannte Lücken in alten CMS- und Plugin-Versionen werden öffentlich dokumentiert. Angreifer suchen automatisiert nach Webseiten, die diese Versionen noch einsetzen. Es braucht also kein gezieltes Interesse an Ihnen – es reicht, dass Ihre Seite auffindbar ist. Die Folgen reichen von Spam-Seiten, die unbemerkt auf Ihrer Domain auftauchen, bis zu abgegriffenen Formulardaten. Bei Formularen mit personenbezogenen Daten kommen dann auch datenschutzrechtliche Fragen hinzu.
Totalausfall. Irgendwann passt das alte System nicht mehr zur Umgebung, in der es läuft. Der Hosting-Anbieter aktualisiert den Server, und die Webseite zeigt nur noch eine Fehlermeldung – oder gar nichts mehr.
Genau das habe ich bei einem Kundenprojekt erlebt. Das CMS der Webseite war veraltet und konnte nicht mehr aktualisiert werden. Zuerst traten Fehler auf, schließlich fiel die Webseite komplett aus. Bemerkt hat das zuerst eine Besucherin, die auf die Seite zugreifen wollte. Danach war sie sicher ein paar Tage gar nicht erreichbar.
Welche Möglichkeiten Sie haben
Wenn Sie feststellen, dass Ihr CMS veraltet ist, gibt es grundsätzlich drei Wege. Welcher passt, hängt davon ab, wie alt das System ist und wie zufrieden Sie mit Ihrer Webseite sind.
1. Aktualisieren
Ist das System nur ein paar Versionen im Rückstand und wird vom Hersteller noch gepflegt, ist ein Update oft der schnellste und günstigste Weg. Vorher sollte unbedingt eine vollständige Sicherung von Dateien und Datenbank erstellt werden. Außerdem lohnt es sich zu prüfen, ob alle Plugins die neue Version unterstützen.
Dieser Weg funktioniert nicht mehr, wenn das CMS selbst eingestellt wurde oder wenn wichtige Erweiterungen nicht mehr existieren.
2. Umziehen und das Design behalten
Häufig sind Kundinnen und Kunden mit dem Aussehen ihrer Webseite eigentlich zufrieden. Das Problem liegt nur in der Technik darunter. Dann kann man die Webseite in einem aktuellen CMS neu aufbauen und das bestehende Design übernehmen. Besucher:innen merken davon im besten Fall kaum etwas – außer, dass die Seite wieder zuverlässig funktioniert.
Bei diesem Weg werden Inhalte übertragen, Texte und Bilder geprüft und die Seitenstruktur möglichst beibehalten, damit bestehende Links und die Position in Suchmaschinen nicht verloren gehen.
3. Neu starten
Wenn die Webseite ohnehin nicht mehr zu Ihnen passt, auf dem Smartphone schlecht funktioniert oder Inhalte grundsätzlich überarbeitet werden sollen, ist ein Neustart oft sinnvoller. Dann lohnt es sich nicht, ein altes Design mühsam in ein neues System zu übertragen.
Wie ich in diesem Fall vorgegangen bin
In dem Projekt haben wir den zweiten Weg gewählt: Das CMS ließ sich nicht mehr aktualisieren, das Aussehen der Webseite sollte aber bleiben.
In enger Zusammenarbeit mit der Kundin habe ich das bestehende Design erhalten und die Webseite mit dem CMS Statamic neu erstellt. Ausschlaggebend für die Wahl des Systems war, dass die Kundin ihre Inhalte selbst einfach pflegen und aktualisieren kann – ohne technisches Vorwissen und ohne Angst, etwas kaputtzumachen.
Von der Entscheidung bis zur neuen Webseite vergingen ungefähr zwei Wochen. Damit Besucher:innen in dieser Zeit nicht vor einer Fehlermeldung standen, habe ich eine einfache Wartungsseite hochgeladen: eine einzelne, statische HTML-Datei, die ohne CMS und ohne PHP auskommt und deshalb auf jedem Server funktioniert.
Die Kundin kommt mit der Pflege ihrer Inhalte heute gut zurecht. Das liegt auch daran, dass ich ihr einige kurze Videos aufgenommen habe, sogenannte Screencasts. Darin zeige und erkläre ich die Aufgaben im Backend, die für sie am wichtigsten sind. So kann sie jederzeit nachschauen, wie etwas geht.
Der Vorteil dieses Vorgehens: Das vertraute Erscheinungsbild bleibt erhalten, und gleichzeitig steht die Webseite technisch wieder auf einem aktuellen Fundament.
Was Sie jetzt tun können
Auch wenn Ihre Webseite noch läuft, lohnt sich ein kurzer Check:
- Fragen Sie Ihren Hosting-Anbieter oder schauen Sie in dessen Kundenbereich nach, welche PHP-Version Ihre Webseite nutzt.
- Prüfen Sie im Backend Ihres CMS, ob Updates angeboten werden oder ob Warnhinweise erscheinen.
- Klären Sie, ob es eine aktuelle Sicherung Ihrer Webseite gibt – und wer im Notfall Zugriff darauf hat.
- Lassen Sie die Webseite einmal mit einem Werkzeug wie Lighthouse prüfen. Wie das geht, habe ich im Artikel Qualitätsprüfung der eigenen Webseite beschrieben.
Fazit
Ein veraltetes CMS ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund zu handeln – und zwar bevor die Webseite ausfällt. Je früher Sie reagieren, desto mehr Möglichkeiten haben Sie. Oft lässt sich das bestehende Design erhalten, sodass sich für Sie und Ihre Besucher:innen wenig ändert, außer dass alles wieder sicher und zuverlässig läuft.
Wenn Sie unsicher sind, wie es um Ihre Webseite steht, schaue ich sie mir gerne an. Die Modernisierung alter Systeme gehört zu meiner Leistung Transformation und Verbesserung. Schreiben Sie mir einfach, und wir finden gemeinsam den passenden Weg.
Ihr Michael Becker