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Webseiten bauen mit KI im Jahr 2026

Was künstliche Intelligenz beim Bau einer Webseite heute wirklich leistet – und wofür Sie trotzdem jemanden brauchen, der weiß, wie gut aussieht

Screenshot der Webseite michael-becker-berlin.de im neuen Design

„Kann das nicht einfach die KI machen?“ Diese Frage höre ich inzwischen in fast jedem Erstgespräch. Und sie ist berechtigt: Wer heute eine Webseite braucht, liest überall, dass künstliche Intelligenz Texte schreibt, Bilder erzeugt und sogar programmiert. Was davon stimmt, und wo liegen die Grenzen? In diesem Artikel ordne ich das ehrlich ein – aus der Sicht von jemandem, der selbst täglich mit KI-Werkzeugen arbeitet.

Welche KI-Werkzeuge es heute gibt

Grob lassen sich die Angebote in drei Gruppen einteilen:

  • Baukästen mit KI: Viele Webseiten-Baukästen erzeugen nach ein paar Fragen zu Branche und Angebot einen kompletten ersten Entwurf mit Seitenstruktur, Texten und Bildern. Danach wird im Baukasten weiter bearbeitet.
  • Chat-Assistenten: Werkzeuge wie ChatGPT, Claude oder Gemini helfen beim Formulieren von Texten, beim Übersetzen, beim Zusammenfassen oder beim Erzeugen von Bildern. Sie bauen keine Webseite, liefern aber viel Material dafür.
  • Programmier-Agenten: Werkzeuge wie Claude Code arbeiten direkt im Quellcode einer Webseite. Sie lesen den bestehenden Code, schlagen Änderungen vor und setzen sie um. Gesteuert werden sie von einer Entwicklerin oder einem Entwickler, die oder der Ziele vorgibt, Entscheidungen trifft und jedes Ergebnis prüft.

Ich nutze vor allem die dritte Gruppe. Auch die neue Version dieser Webseite ist so entstanden – wie das konkret abläuft, beschreibe ich im Artikel Wie ich mit Claude Code arbeite.

Wo KI wirklich hilft

Ich will das nicht kleinreden: In einigen Bereichen ist der Gewinn enorm.

  • Tempo: Routinearbeiten wie das Anlegen ähnlicher Seiten, das Umbauen von Vorlagen oder das Aktualisieren von Abhängigkeiten gehen deutlich schneller.
  • Erste Entwürfe: Ob Seitenstruktur, Textgerüst oder Gestaltungsidee – ein erster Vorschlag liegt in Minuten vor. Das macht es leichter, über etwas Konkretes zu sprechen statt über eine leere Seite.
  • Texte: KI hilft beim Überarbeiten, Kürzen und Vereinheitlichen. Gerade wer ungern schreibt, kommt so leichter zu einem brauchbaren Ausgangstext.
  • Übersetzungen: Eine zweite Sprache ist kein großes Projekt mehr. Eine Durchsicht durch jemanden, der die Sprache gut kann, bleibt aber sinnvoll.
  • Routine-Code: Wiederkehrende Programmieraufgaben erledigt ein Agent zuverlässig, wenn klar ist, was herauskommen soll.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Arbeit: Meine Web-App Shared Lists habe ich um drei neue Sprachen erweitert – das hat nicht länger als eine Stunde gedauert.

Wie viel schneller geht es wirklich?

Die Studienlage dazu ist erstaunlich uneinheitlich. Eine große Feldstudie mit fast 5.000 Entwickler:innen bei Microsoft, Accenture und einem weiteren Großunternehmen kam auf rund 26 Prozent mehr erledigte Aufgaben mit einem KI-Assistenten (Cui u. a., Management Science). Eine kleinere Studie der Forschungsorganisation METR hat dagegen gemessen, dass erfahrene Entwickler:innen in ihren eigenen, sehr großen Open-Source-Projekten mit KI sogar 19 Prozent länger brauchten – obwohl sie selbst überzeugt waren, schneller zu sein (METR, 2025).

Beide Studien untersuchen allerdings Werkzeuge, die heute schon wieder überholt sind: vor allem Vorschläge zur automatischen Vervollständigung von Code und Werkzeuge vom Stand Anfang 2025. Programmier-Agenten, die eigenständig ganze Aufgaben über viele Dateien hinweg umsetzen, haben sich seitdem stark weiterentwickelt.

Meine eigene Erfahrung bei Webseiten und Web-Applikationen ist deutlich: Die Dauer der Umsetzung hat sich mindestens halbiert. Da ich nach Aufwand abrechne, kann sich dadurch auch der Preis für Sie annähernd halbieren. Hinzu kommen anteilig die Kosten für die Nutzung der KI-Werkzeuge – die fallen im Vergleich zur eingesparten Arbeitszeit aber gering aus.

Wo es ohne Fachwissen schwierig wird

Eine KI liefert schnell etwas, das gut aussieht. Ob es auch gut ist, entscheidet sie nicht. Genau hier beginnt die Arbeit, die weiterhin ein Mensch mit Erfahrung machen sollte.

Anforderungen klären

Die wichtigste Frage einer Webseite lautet nicht „Wie sieht sie aus?“, sondern „Wen soll sie erreichen und was sollen diese Menschen tun?“. Eine KI beantwortet die Fragen, die man ihr stellt. Die richtigen Fragen zu stellen, bleibt Ihre und meine Aufgabe.

Datenschutz und Recht

Eine geschäftliche Webseite in Deutschland braucht ein Impressum nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz (DDG, der Nachfolger des Telemediengesetzes) und muss die DSGVO beachten. Außerdem dürfen nach § 25 TDDDG nur dann Informationen auf dem Gerät der Besucher:innen gespeichert oder ausgelesen werden – etwa über Cookies –, wenn das technisch unbedingt nötig ist oder eine Einwilligung vorliegt. Und personenbezogene Daten wie die IP-Adresse sollten nicht ungefragt an Dritte gehen, etwa über extern eingebundene Schriftarten, Videos oder Statistik-Werkzeuge.

KI-generierte Seiten und Baukästen binden solche Dienste oft standardmäßig ein. Zu erkennen, was davon nötig ist und was nicht, braucht Fachwissen. (Das ist eine Einordnung aus der Praxis, keine Rechtsberatung.)

Barrierefreiheit

Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es betrifft bestimmte digitale Dienstleistungen für Verbraucher:innen, zum Beispiel Online-Shops oder Online-Terminbuchungen. Kleinstunternehmen – weniger als zehn Beschäftigte und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme – sind bei Dienstleistungen davon ausgenommen. Ob das eigene Angebot betroffen ist, lässt sich bei der Bundesfachstelle Barrierefreiheit nachlesen. Den technischen Maßstab setzt die europäische Norm EN 301 549, deren neue Fassung V4.1.1 vom September 2026 auf den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) 2.2 in Stufe AA aufbaut.

Aber auch unabhängig vom Gesetz sollte jede Webseite für alle nutzbar sein: ausreichende Kontraste, sinnvolle Überschriften, Alternativtexte für Bilder, Bedienbarkeit per Tastatur. KI-Ausgaben erfüllen das mal, mal nicht – geprüft werden muss es immer.

Sicherheit, Hosting und Wartung

Eine Webseite ist nach dem Livegang nicht fertig. Software muss aktualisiert, Zertifikate müssen erneuert, Sicherungen angelegt werden. KI kann dabei helfen, aber sie fühlt sich nicht verantwortlich, wenn nachts etwas ausfällt. Wie schnell eine veraltete Webseite zum Problem wird, habe ich bei einem Kundenprojekt erlebt: Dort führte ein nicht mehr aktualisierbares CMS schließlich zum Totalausfall.

Qualitätskontrolle

KI-Werkzeuge machen Fehler – und zwar mit großer Selbstsicherheit. Ein Agent kann Code schreiben, der funktioniert, aber unnötig kompliziert ist, Sicherheitslücken enthält oder an anderer Stelle etwas kaputt macht. Texte können sachlich falsch sein oder nach allen anderen Webseiten klingen. Deshalb gilt bei mir: Keine Änderung geht online, die ich nicht selbst gelesen und verstanden habe.

Verantwortung

Am Ende steht jemand dafür gerade, dass die Webseite funktioniert, rechtlich sauber ist und zu Ihnen passt. Das kann keine Software übernehmen.

Wann reicht ein KI-Baukasten?

Ehrlich gesagt: manchmal. Wenn Sie eine einfache Visitenkarten-Seite brauchen, gerne selbst daran arbeiten und die Grenzen des Baukastens akzeptieren, kann das ein guter Start sein. Achten Sie dann besonders darauf, wo die Daten gespeichert werden, welche Dienste eingebunden sind und ob Sie Ihre Inhalte später mitnehmen können.

Sobald es um mehr geht – mehrere Personen pflegen Inhalte, es gibt Formulare, Buchungen oder Mitgliederbereiche, oder die Webseite ist ein wichtiger Teil Ihres Geschäfts –, lohnt sich professionelle Begleitung. Und wenn Sie unsicher sind, sprechen wir gerne einfach darüber. Eine unabhängige Einschätzung bekommen Sie bei mir auch, wenn Sie das Projekt am Ende anders umsetzen.

Fazit

KI hat die Arbeit an Webseiten spürbar verändert. Ich bin schneller geworden, und davon profitieren meine Kundinnen und Kunden. Auf die Frage „Kann das nicht einfach die KI machen?“ antworte ich deshalb meistens: Ja, vieles – aber jemand muss wissen, was sie tun soll. Der Schwerpunkt hat sich verschoben, vom „Machen“ hin zum „Kreativsein“: Nicht mehr die Umsetzung kostet die meiste Zeit, sondern die Frage, was sich mit einer Webseite eigentlich alles ermöglichen lässt.

Die Werkzeuge ersetzen aber nicht das Wissen darüber, wie eine gute, sichere und rechtlich saubere Webseite aussieht. Jemand muss die richtigen Fragen stellen, Ergebnisse prüfen und Verantwortung übernehmen.

Wenn Sie überlegen, wie Sie Ihre Webseite mit oder ohne KI angehen, schreiben Sie mir gerne. Ich sage Ihnen offen, was in Ihrem Fall sinnvoll ist.

Ihr Michael Becker