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Shared Lists: 36.000 Listen ohne ein einziges Konto

Warum meine Listen-App auf Registrierung und Abo verzichtet – und was das für die Technik und das Geschäftsmodell bedeutet

Infoseite von Shared Lists im Desktop-Browser: kurze Beschreibung der App neben Screenshots auf Laptop und Smartphone

Angefangen hat alles mit einem Einkaufszettel. Meine Partnerin schickte mir ein Foto davon – und kurz darauf noch eine Nachricht hinterher, weil ihr noch etwas eingefallen war. Ein Foto lässt sich eben nicht nachträglich ergänzen. Eine App, bei der sie sich erst irgendwo anmelden muss, wollte sie aber auch nicht. So war die Idee zu Shared Lists geboren.

Shared Lists ist meine eigene Web-App für gemeinsame Listen – ob Einkauf, To-dos oder Wunschzettel. Inzwischen wurden damit mehr als 36.000 Listen angelegt, und dafür war kein einziges Benutzerkonto nötig. In diesem Artikel möchte ich Ihnen zeigen, welche Entscheidungen hinter der App stecken und was ich dabei gelernt habe.

Entscheidung 1: Kein Konto, keine Registrierung

Eine Liste ist bei Shared Lists sofort angelegt und wird einfach per Link geteilt. Wer den Link hat, kann mitmachen – ohne E-Mail-Adresse, ohne Passwort, ohne Bestätigungsmail.

Diese Entscheidung hat mehrere Vorteile:

  • Der Einstieg ist so einfach wie möglich. Zwischen „Ich brauche eine Liste“ und „Die Liste ist geteilt“ liegen nur wenige Sekunden.
  • Es werden kaum persönliche Daten gespeichert. Was nicht erhoben wird, muss auch nicht geschützt, verwaltet oder gelöscht werden.
  • Die Mitmachenden müssen nichts einrichten. Gerade bei geteilten Listen ist das entscheidend: Es reicht nicht, dass eine Person die App mag – alle Beteiligten müssen sie ohne Hürde öffnen können.

Am Anfang ging es mir schlicht darum, dass sich niemand anmelden und einloggen muss. Dann kam die Einfachheit dazu, auch beim Programmieren: Was es nicht gibt, muss auch nicht gebaut und gepflegt werden. Und ehrlicherweise hat mich auch die Herausforderung gereizt, so viel wie möglich ganz ohne personenbezogene Daten umzusetzen. Ich wollte zeigen, was alles möglich ist, ohne dass die App oder ich als Betreiber wissen, wer sie nutzt.

Natürlich hat der Verzicht auf Konten auch eine Kehrseite: Ohne Anmeldung weiß die App zunächst nur, auf welchem Gerät eine Liste angelegt wurde. Wechselt man das Smartphone oder möchte die Listen auch am Laptop sehen, braucht es eine andere Lösung.

Entscheidung 2: Passkeys statt Passwort

Diese Lösung sind Passkeys. Sie kamen allerdings erst später dazu: Als ich Shared Lists gebaut habe, waren Passkeys noch kaum verbreitet. Heute lassen sich damit die eigenen Listen auf jedem Gerät wiederherstellen – ganz ohne Konto, ohne E-Mail und ohne Passwort. Auf einem neuen Gerät bestätigt man die Wiederherstellung einfach mit Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder der Geräte-PIN.

Gespeichert wird dabei laut der Passkey-Seite von Shared Lists nur ein öffentlicher Schlüssel, der mit der anonymen Kennung der Listen verknüpft ist – kein Name und keine E-Mail-Adresse. Weil Passkeys sich über bestehende Dienste wie den iCloud-Schlüsselbund von Apple oder den Google Passwortmanager synchronisieren, sind sie auf den eigenen Geräten meist automatisch vorhanden.

Für mich waren Passkeys ein Segen. Die Synchronisation der eigenen Listen zwischen verschiedenen Geräten war bis dahin wirklich das größte Problem. Dazu kam eine Eigenheit von iPhone und iPad: Safari räumt Daten, die Webseiten lokal im Browser speichern, unter bestimmten Umständen selbstständig auf – und damit konnte auch der Zugang zu den eigenen Listen verloren gehen. Mit Passkeys ist beides gelöst. Sie sind die Brücke zwischen zwei Zielen, die sich sonst widersprechen: so wenig Daten wie möglich, aber trotzdem kein Datenverlust.

Entscheidung 3: Änderungen in Echtzeit

Eine geteilte Liste ist nur dann wirklich hilfreich, wenn alle denselben Stand sehen. Fällt zu Hause noch jemandem ein, dass die Milch fehlt, soll der neue Eintrag sofort auf dem Smartphone im Supermarkt auftauchen – ohne dass dort jemand die Seite neu laden muss. Genau das war ja das Problem mit dem Foto vom Einkaufszettel.

Technisch setze ich dafür auf WebSockets. Dabei bleibt zwischen Browser und Server eine Verbindung offen, über die Änderungen sofort an alle Beteiligten verteilt werden. Die App selbst ist mit Laravel und Vue umgesetzt und als Progressive Web App (PWA) gebaut. Sie lässt sich also direkt aus dem Browser auf dem Smartphone installieren und fühlt sich dann an wie eine App aus dem Store.

Die Infoseite von Shared Lists auf dem Smartphone: kurze Beschreibung, darunter die Startansicht der App mit dem Button „Neue Liste“ und mehreren Listen

Entscheidung 4: Einmalzahlung statt Abo

Listen erstellen und teilen ist bei Shared Lists kostenlos. Wer mehr möchte, kann eine Liste auf Pro erweitern. Dazu gehören unter anderem:

  • Einträge aus einem Foto übernehmen
  • Push-Benachrichtigungen
  • einfache Berechnungen
  • Rechte für Teilnehmende festlegen

Bezahlt wird Pro einmalig und nicht im Abo. Die Zahlungen wickle ich über den Zahlungsdienstleister Mollie ab.

Ehrlich gesagt war das zunächst eine technische Entscheidung: Ohne Benutzerkonto gibt es niemanden, dem man jeden Monat etwas in Rechnung stellen könnte – bezahlt wird für eine Liste, nicht für eine Person. Anders war es also gar nicht möglich. Dann gefiel mir aber auch die Idee sehr gut, keine Abhängigkeit zu erzeugen. Man zahlt einmal, weiß, was man bekommt, und muss an keine Kündigung denken.

Entscheidung 5: Sechs Sprachen von Anfang an

Shared Lists gibt es auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Portugiesisch. Weil die App ohne Konto funktioniert und sich per Link verbreitet, landet sie schnell bei Menschen in anderen Ländern. Eine geteilte Liste soll für alle verständlich sein, egal welche Sprache die Person spricht, die sie angelegt hat.

Woher die Nutzer:innen kommen, kann ich übrigens gar nicht genau sagen – bei einer App, deren wichtigstes Merkmal Anonymität ist, liegt das in der Natur der Sache. Ich weiß nur, dass schon Menschen aus Südamerika und Australien für die Pro-Funktionen bezahlt haben. Für welche Liste das jeweils war, kann ich nicht einmal in der Datenbank nachvollziehen.

Was ich daraus gelernt habe

Rückblickend sind es vor allem drei Punkte, die ich auch in Projekte meiner Kundinnen und Kunden mitnehme:

  1. Jede Hürde kostet Nutzer:innen. Ein Registrierungsformular ist oft nicht nötig. Es lohnt sich immer, zu fragen: Brauchen wir diese Daten wirklich?
  2. Datensparsamkeit und Komfort schließen sich nicht aus. Mit modernen Verfahren wie Passkeys lassen sich beide Ziele verbinden.
  3. Das Bezahlmodell ist Teil des Produkts. Ob Abo oder Einmalzahlung entscheidet mit darüber, wie sich eine Anwendung für die Menschen anfühlt, die sie nutzen.

Am meisten überrascht hat mich, wie weit sich die App ohne jegliches Marketing verbreitet hat. Es gab einmal einen Facebook-Account für Shared Lists, aber nie echte Werbung. Trotzdem kommen Zahlungen aus vielen Regionen der Welt. Eine Liste, die man teilt, ist eben immer auch eine Einladung an die nächste Person.

Fazit

Shared Lists zeigt, dass eine nützliche Web-App nicht zwingend ein Konto, ein Passwort oder ein Abo braucht. Oft ist die einfachste Lösung auch die, die am liebsten genutzt wird.

Wenn Sie selbst eine Idee für eine Web-Applikation haben oder einen bestehenden Ablauf vereinfachen möchten, schauen Sie sich gerne meine Leistungen und weitere Referenzen an. Oder schreiben Sie mir – ich freue mich auf Ihre Fragen.

Ihr Michael Becker